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Mittwoch, 20. November 2013

Rezension zu „Weihnachten bei Thomas Mann“ von Karl-Josef Kuschel

Weihnachten bei Thomas Mann
Vom Zauber des Weihnachtsfestes

(tos). Wenn Karl-Josef Kuschel über Literatur schreibt, so kann man sich über zwei Dinge gewiss sein: Es ist interessant und es hat Substanz. „Weihnachten bei Thomas Mann“ ist interessant, weil Karl-Josef Kuschel eine klare Fragestellung hat – wie Thomas Mann die Beschreibung des Weihnachtfestes mit Aussagen füllt –, und Substanz hat es, weil sich der Tübinger Theologe nicht damit begnügt, die Texte allein sprechen zu lassen, sondern an zahlreichen Stellen Querverbindungen aufzeigt und Vergleiche zu anderen Werken der Zeit anstellt.

Karl-Josef Kuschel geht es in seinem 190 Seiten umfassenden Buch nicht darum, darzustellen, wie Thomas Mann selbst das Weihnachtsfest gefeiert hat, es geht ihm vielmehr darum, darzustellen, wie Thomas Mann das Weihnachtsfest in seinen Werken verarbeitet hat. Allen voran sind die Weihnachtsfeste bei den „Buddenbrooks“ legendär geworden: Da wird das Weihnachtsfest zunächst andächtig, würdevoll begangen, bis es dann zu einer Inszenierung verkommt, die den Verfall der Familie widerspiegelt. Wie brüchig die Welt geworden ist, zeigt sich auch beim Weihnachtsfest, das Thomas Mann im „Zauberberg“ beschrieben hat. Leere und Gleichgültigkeit herrschen gegenüber dem Fest vor, ein „Totentanz“ sei es, urteilt der Tübinger Theologe. Weihnachten ist ein gesellschaftlicher Anlass, mehr nicht.

Ist Weihnachten also ein bürgerliches Fest, dem der religiöse Bezug abhanden gekommen ist? Karl-Josef Kuschel zeigt auch eine andere Seite von Thomas Mann auf: Seine „Liebe zu den Zaubern des Weihnachtsfestes“, die er 1924 in einem Beitrag für eine ungarische Tageszeitung gestand: „(…) man glaubt zu begreifen, was Gnade, was Liebe, was Hoffnung ist“ – das klingt so gar nicht wie ein Weihnachtsfest im „Zauberberg“. Zudem ist Karl-Josef Kuschel überzeugt, dass Thomas Manns Einstellung zum Weihnachtfest sich veränderte, als er den Josephsroman schrieb. Bei der Arbeit mit dem biblischen Stoff habe er erkannt, wie wichtig die Wiederholung im Leben sei – das Feiern des Weihnachtsfestes werde bei Thomas Mann zu einem Ausdruck der Lebensbejahung.

So gelingt es Karl-Josef Kuschel in seinem Buch „Weihnachten bei Thomas Mann“ aufzuzeigen, wie Thomas Mann ganz gekonnt das Weihnachtsfest in seinen Werken nutzt, um familiäre und gesellschaftliche Veränderungen aufzuzeigen. Zugleich wird aber auch deutlich, dass Thomas Mann weder in seiner Familie noch in der Literatur den Geschmack am Weihnachtsfest verloren hat – es ist und bleibt ein wichtiges, sinnstiftendes religiöses Fest.

© Thomas Sülzle von Literaturtipp.com


Karl-Josef Kuschel
Weihnachten bei Thomas Mann
Patmos Verlag, Ostfildern
ISBN 978-3-491-72505-8
1. Auflage 2006, 190 Seiten, Hardcover gebunden mit Schutzumschlag, Format 13,9 x 20,9 cm.
Preis: € 16,90 (D) / € k. A. (A) / sFr k. A.




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Dienstag, 19. November 2013

Rezension zu „Alte hessische Weihnachtsgeschichten“ von Heinz-Lothar Worm (Hrsg.)

Alte hessische Weihnachtsgeschichten
Elf Weihnachtsgeschichten aus vergangenen Tagen

(tos). „Ostern ist traurig, wenn du dich ihm versagst, Pfingsten wundert sich, wenn es dich nicht zu Gesicht bekommt. Aber Weihnachten sieht nicht so gelassen zu, es eilt dir nach, es holt dich ein.“ So umschreibt Hermann Oeser die besondere Atmosphäre in der Weihnachtszeit. Er ist einer von sieben Schriftstellern, die Herausgeber Heinz-Lothar Worm in seinem Buch „Alte hessische Weihnachtsgeschichten“ versammelt hat.

Es ist eine längst vergangene Zeit, in die der Leser in den elf Geschichten eintauchen kann. Eine Zeit, in der es Schulräte gab, man Eichenlohe verkauft hat, und in der die Witwe noch Witfrau hieß. Eine Zeit, in der das Weihnachtsfest noch nicht vom Konsum beherrscht wurde. So sind es Zufälle und Begegnungen der besonderen Art, auch über die gesellschaftlichen Schichten hinweg, die in den elf hessischen Geschichten zur Sprache kommen. Angst vor der Sprache muss man nicht haben: Die Geschichten sind zwar aus Hessen, aber keineswegs im hessischen Dialekt geschrieben.

„Das Christkind gibt den Menschen Unterricht in dem, was sie am schwersten lernen, die Liebe“ – so fasst Hermann Oeser seine Weihnachtsgeschichte „Weihnachten holt dich ein“ zusammen. Und dies könnte auch die Überschrift aller abgedruckten Weihnachtsgeschichten sein: Egal, ob es das unerwartete Enkelkind ist, das plötzlich auftaucht, oder der adlige Graf, der mithilfe eines kleinen Mädchens das Christkind wiederfindet. Weihnachten holt auch den Künstler wieder ein, der Angst hatte, dass er seine Bilder zu teuer verkauft habe, oder auch beim späten Geständnis einer Brandstiftung.

Für unsere Augen und Ohren sind solche Geschichten oft kitschig oder zu holzhammerhaft religiös. Dies trifft sicherlich auch auf einige der abgedruckten Texte zu, haben sie doch oft den Charakter von Kalendergeschichten, deren Ende allzu offensichtlich ist. Was fehlt ist auch ein Vorwort, in dem die Auswahl begründet wird. Nichtsdestotrotz sind aber doch einige Perlen in dem Band „Alte hessische Weihnachtsgeschichten“ vorhanden und nicht zuletzt sind es die einfachen Menschen, die hier ihre Weihnachtsfreude teilen. Auch das ist lesenswert.

© Thomas Sülzle von Literaturtipp.com


Heinz-Lothar Worm (Hrsg.)
Alte hessische Weihnachtsgeschichten
Brunnen Verlag, Gießen
ISBN 978-3-7655-4076-9
3. Auflage, 160 Seiten, Taschenbuch, Format 12 x 18,6 cm.
Preis: € 8,95 (D) / € 9,20 (A) / sFr 13,50




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Dienstag, 12. November 2013

Rezension zu „Weihnachten mit Astrid Lindgren“ von Anne-Kristin zur Brügge (Hrsg.)

Weihnachten mit Astrid Lindgren
Die schönsten Geschichten von Pippi Langstrumpf, Michel, Madita, den Kindern aus Bullerbü u. a.

(sl). „In meiner Erinnerung ist meine Kindheit ein Zustand (…) Der Winterduft kam mit dem Schnee und wenn Mama den Backofen für die Weihnachtsbäckerei sauber fegte.“ Dies sagte Astrid Lindgren 1967 in einem Interview mit dem „Svenska Dagbladet“. Für Astrid Lindgren war die Winter- und Weihnachtszeit zeitlebens immer eine ganz besondere Zeit. So ist es auch kein Wunder, dass nahezu jede ihrer Kinderbuchfiguren auf die eine oder andere Art Weihnachten feiert oder unbeschwert im Schnee Abenteuer erleben darf. Herausgeberin Anne-Kristin zur Brügge hat nun in „Weihnachten mit Astrid Lindgren“ die schönsten Geschichten von Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga, Madita und Lotta sowie den Kindern aus Bullerbü in einem wunderschön gestalteten Band zusammengestellt. Hinzu kommen die Weihnachtsklassiker „Pelle zieht aus“, „Weihnachten im Stall“ und „Tomte Tummetott“.

Die Herausgeberin hat die 14 versammelten Geschichten in vier Kategorien eingeteilt: „Weihnachts-Großreinemachen und Slalomfahren“, „Schneegestöber und Wichtelträume“, „Tannenbaum-Tänze und Pfefferkuchenduft“ sowie „Festschmaus und Weihnachtsüberraschungen“. Die meisten Texte sind mit ihren jeweiligen Originalillustrationen von Ilon Wikland, Harald Wiberg oder Björn Berg versehenen, einige jedoch auch schon mit den Bildern neuerer Illustratoren wie Katrin Engelking, Lars Klinting, Rolf Rettich und Jutta Timm, die anlässlich von Neuauflagen der Titel entstanden sind.

Die Geschichten für Kinder ab sechs Jahren sind alle bekannt, einige sind zuvor als einzelnes Bilderbuch erschienen oder bereits in anderen Erzählbänden veröffentlicht worden. Die letzte große Sammlung mit Astrid Lindgrens Weihnachtsgeschichten erschien 1985 unter dem Titel „Pelle zieht aus und andere Weihnachtsgeschichten“. Wer dieses Buch noch besitzt, findet zwar zehn der Geschichten in dem neuen Band „Weihnachten mit Astrid Lindgren“ wieder, jedoch besticht die Neuerscheinung „Weihnachten mit Astrid Lindgren“ vor allem durch seine liebevolle und hochwertige Ausstattung und das große Format des Buches. Und immerhin sind ja vier Geschichten dabei, die es in dem alten Weihnachtsgeschichtensammelband nicht gab: „Wie gut, dass es Weihnachtsferien gibt, sagte Madita“, „Pippi Langstrumpf feiert Weihnachten“, „Weihnachten in Bullerbü“ sowie „Nur nicht knausern, sagte Michel aus Lönnberga“.

„Weihnachten mit Astrid Lindgren“ ist ein Schatz von einem Buch und gehört nun wirklich in jedes Bücherregal!

© Steffani Lehmann von Literaturtipp.com


Anne-Kristin zur Brügge (Hrsg.)
Weihnachten mit Astrid Lindgren
Die schönsten Geschichten von Pippi Langstrumpf, Michel, Madita, den Kindern aus Bullerbü u. a.
Mit Illustrationen von Björn Berg, Katrin Engelking, Lars Klinting, Rolf Rettich, Jutta Timm, Harald Wiberg und Ilon Wikland
Aus dem Schwedischen von Anna-Liese Kornitzky, Silke von Hacht, Senta Kapoun, Angelika Kutsch und Karl Kurt Peters
Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg
ISBN 978-3-7891-4184-3
1. Auflage 2013, 256 Seiten, mit zahlreichen farbigen Illustrationen, Halbleinen gebunden mit Lesebändchen, Format 21,5 x 27 cm.
Preis: € 22,95 (D) / € 23,60 (A) / sFr k. A.




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