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Montag, 11. Januar 2016

Kurzvorstellung Neuerscheinung im Taschenbuch

Mit Liebe gewürzt
Unterhaltsamer Sommerroman mit dem Rezept für die große Liebe

(sl). Gina Foxton hat sich gerade als Fernsehköchin eines regionalen Senders einen Namen gemacht, als ihre Welt zusammenbricht. Erst erwischt sie ihren Produzenten und Lebenspartner in flagranti, dann eröffnet ihr dieser, dass ihre Sendung abgesetzt werden soll. Nicht mit ihr! Mit Tränen in den Augen beschließt Gina, dass sie es jetzt erst recht allen beweisen muss. Sie will den Sprung ins nationale Fernsehen wagen. Dafür muss sie jedoch an Tate Moody vorbei, der die Kochszene mit genialen Rezepten, seiner frischen Art und einem sexy Lächeln dominiert. Dem Angeber werde ich es zeigen, denkt Gina und nimmt die Herausforderung zu einem Kochwettbewerb der Superlative an. Wenn sie nur nicht bei jeder Begegnung mit Tate den Kopf verlieren und die falschen Zutaten in den Kochtopf schütten würde …

Der neue Roman von Bestseller-Autorin Mary Kay Andrews „Mit Liebe gewürzt“ hat alle Erfolgszutaten einer typischen Sommerlektüre: leichtfüßig, unterhaltsam und mit dem Rezept für die große Liebe. Am besten auf der Stelle genießen oder schon heute in den Koffer für die nächste Reise packen.


Mary Kay Andrews
Mit Liebe gewürzt
Aus dem Amerikanischen von Lena Kraus
Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main
ISBN 978-3-596-03196-2
1. Auflage 2016, 504 Seiten, Taschenbuch.
Preis: € 9,99 (D) / € 10,30 (A) / sFr k. A.



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Dienstag, 7. Oktober 2014

Kurzvorstellung Neuerscheinung im Taschenbuch

Teuflisches Spiel
Kate Burkholders fünfter Fall bei den Amischen

 
(sl). Als das gleißende Scheinwerferlicht des entgegenkommenden Fahrzeugs sie blendet, bleibt ihnen nicht einmal mehr die Zeit, um zu schreien. Auf der regennassen Straße im ländlichen Ohio sterben in dieser Nacht drei Menschen. Ein amischer Vater und zwei seiner Kinder. Als Polizeichefin Kate Burkholder die Unfallstelle genauer untersucht, kommen ihr erste Zweifel: War das wirklich ein Unfall, oder steckt noch etwas anderes dahinter?

Autorin Linda Castillo schickt ihre Ermittlerin Kate Burkholders in „Teuflisches Spiel“ zum fünften Mal auf Spurensuche in eine Welt, die Außenstehenden meist verborgen bleibt: die Welt der Amische, einer amerikanischen Glaubensgemeinschaft.

 

Linda Castillo
Teuflisches Spiel
Aus dem Amerikanischen von Helga Augustin
Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main
ISBN 978-3-596-19613-5
1. Auflage 2014, 352 Seiten, Taschenbuch.
Preis: € 9,99 (D) / € 10,30 (A) / sFr 14,90


 

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Mittwoch, 5. März 2014

Kurzvorstellung Neuerscheinung von John Grisham

Die Erbin
Ein Erbstreit, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt

(sl). Der neue Grisham ist da! – Spektakulärer hätte Seth Hubbard seinen Tod nicht inszenieren können. Als sein Mitarbeiter ihn eines Morgens aufgehängt an einem Baum findet, ist die Bestürzung im beschaulichen Clanton groß. Niemand hätte mit einem Freitod gerechnet. Hubbards Familie sieht das pragmatischer und ist in erster Linie an der Testamentseröffnung interessiert. Was sie nicht weiß: Kurz vor seinem Tod hat Hubbard sein Testament geändert. Alleinige Erbin ist seine schwarze Haushälterin Lettie Lang. Ein erbitterter Erbstreit beginnt… John Grisham legt mit „Die Erbin“ seinen neuen Roman vor, in dem es ein Wiedersehen mit Jack Brigance, dem Anwalt aus „Die Jury“, gibt.

Als der schwer kranke Seth Hubbard seinem Leben ein Ende setzt, ahnt niemand, welche Folgen diese Tat haben wird. Hubbard, ein grimmiger Einzelgänger, blieb im Wesentlichen für sich. Versorgt von einer Haushälterin, hatte er kaum mehr Kontakt zu seiner Familie. Hubbards erwachsene Kinder absolvieren die Trauerfeier für ihren Vater denn auch wie einen Pflichtbesuch, um sich danach möglichst schnell der Testamentseröffnung zu widmen. Die Überraschung könnte kaum größer sein, als sich herausstellt, dass Hubbards Vermögen 24 Millionen Dollar umfasst. Den Löwenanteil spricht Hubbard seiner Haushälterin Lettie Lang zu. Seine Familie indes geht leer aus. In Windeseile fechten Hubbards Kinder das Testament an. Mit allen Mitteln versuchen sie Hubbards Unzurechnungsfähigkeit zu beweisen. Die Rechnung scheint aufzugehen. Bis Jack Brigance, der Anwalt an Lettie Langs Seite, Hubbards verschwundenen Bruder Ancil ausfindig macht, der eine Geschichte zu berichten hat, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Plötzlich ergibt Seth Hubbards Testament auf tragische Weise Sinn.


John Grisham
Die Erbin
Aus dem Amerikanischen von Imke Walsh-Araya, Kristiana Dorn-Ruhl und Bea Reiter
Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-26910-1
1. Auflage 2014, 704 Seiten, Hardcover gebunden mit Schutzumschlag, Format 13,5 x 21,5 cm.
Preis: € 24,99 (D) / € 25,70 (A) / sFr 35,50



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Dienstag, 3. Dezember 2013

Rezension zu „Fürchtet Euch“ von Wiley Cash

Fürchtet Euch
Ein spannender Roman über blinden Glauben und seine unbarmherzigen Konsequenzen

(mkb). „Fürchtet Euch nicht“, steht in der Luther-Bibel geschrieben, „denn der Herr, dein Gott, wird selber mit dir wandeln und wird die Hand nicht abtun noch dich verlassen.“ Mit der Angst oder besser der Hoffnung auf ein besseres Leben ist schon manch einer zum Glauben missioniert worden – im schlimmsten Fall von zwielichtigen Gestalten, deren Schäfchen sie blind ins Unglück stürzen. Das amerikanische Original „A Land More Kind Than Home“ („Ein Land, das freundlicher ist als Zuhause“) von Autor Wiley Cash hat in seiner Heimat längst die Bestsellerlisten gestürmt. Mit „Fürchtet Euch“ geht das Debüt jetzt in deutscher Fassung, hervorragend von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann aus dem Amerikanischen übersetzt, an den Start und hat das Potential, auch in den deutschsprachigen Ländern die ersten Plätze zu belegen.

Die geradezu perfekte Bühne für das Erstlingswerk steht in der Einsamkeit der Berge North Carolinas. Dort bestreiten das Ehepaar Hall mit ihren Söhnen Jess und dem autistischen Christopher einen kargen Alltag. Nur an den Sonntagen ist alles anders: Dann nimmt die Mutter ihre beiden Jungs an der Hand und sucht im Gebet die Erlösung. Normalerweise spielen währenddessen alle Kinder unter Aufsicht der 80-jährigen Adelaide Lyle draußen. Nur nicht an diesem schwülen Septembertag, denn heute darf Christopher am Gottesdienst teilnehmen. Prediger Carson Chambliss hat Großes mit ihm vor: Er will ihn in einem Ritual heilen. Als der 13-Jährige dabei stirbt, reißt das zarte Band einer Ehe. Jess kämpft fortan mit seinem Gewissen, denn er hat durch das zugeklebte Kirchenfenster mehr gesehen, als die junge Seele verarbeiten kann. Obwohl Sheriff Clem Barefield den Prediger unter Verdacht hat, kann er ihm nichts nachweisen. Gesammelt steht die Kirchengemeinde hinter dem charismatischen Chambliss und schweigt. Da taucht der Großvater des toten Jungen auf und mit ihm werden für den Sheriff Erinnerungen wach, die er lieber verdrängt hätte. Als Jess sein Schweigen bricht, sind die Folgen wahrlich zum Fürchten…

Autobiografisch sei die Geschichte nicht, sagt der Autor – aber in den drei Perspektiven und den drei Erzählern finde er sich wieder. In Jess zum Beispiel, der nach dem Tod seines Bruders am Glauben zweifelt. Auch Wiley Cash ist in den Bergen und mit der Kirche groß geworden und auch ihn ereilten Zweifel: „Ich realisierte, dass wir den Glauben oft nutzen, um die leeren Stellen in unserem Leben zu füllen“, schreibt er in seiner Biografie. Und die gläubige Christin Adelaide Lyle, die sich längst vom Prediger und seinen fragwürdigen Methoden abgewandt hat, ist ebenso ein Teil von ihm, wie der Polizist, den mit Jess’ Großvater eine schmerzliche Erinnerung verbindet. „Fürchtet Euch“ handle auch von Vergebung, sagt Wiley Cash.

Der Leser selbst verfolgt gebannt die Irrwege des blinden Glaubens, ist aufgewühlt von den damit verbundenen Folgen, dabei geraten die Szenen der Vergebung eher ins Abseits. Wie jedes gute Buch hat auch dieser Roman viele Facetten und lässt genügend Spielraum, den Schwerpunkt selbst zu legen. Fazit: „Fürchtet Euch“ ist spannend und unbedingt lesenswert!

© Michèle Kirner-Bernoulli von Literaturtipp.com


Wiley Cash
Fürchtet Euch
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main
ISBN 978-3-596-19443-8
Deutsche Erstausgabe, 1. Auflage 2013, 348 Seiten, Taschenbuch.
Preis: € 9,99 (D) / € 10,30 (A) / sFr 14,90



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Dienstag, 15. Oktober 2013

Rezension zu „Der Sommer, in dem wir Gatsby gelesen haben“ von Danielle Ganek

Der Sommer, in dem wir Gatsby gelesen haben
Leichtfüßiger Liebesroman um eine Erbschaft zweier ungleicher Schwestern

(sl). „Die Dead hatten in der Nacht meiner Geburt ‚Stella Blue’ gespielt, so jedenfalls hatte meine Mutter es mir erzählt, die Königin der unzuverlässigen Erzähler. Ihre Geschichten waren immer unterhaltsam und immer ausgeschmückt. Nur wahr waren sie nicht immer.“ Stella Blue Cassandra Olivia Moriarty wächst in Europa bei ihrer Mutter auf und fährt in den Sommermonaten immer zu ihrer Tante Lydia in die Hamptons. Diese Zeit verbringt sie dort auch mit ihrer drei Jahre älteren Schwester Pecksland Moriarty, genannt Pecks, einer Schauspielerin und ein typisches New Yorker Girl, das nur Mode und Partys im Kopf hat sowie zur Theatralik neigt. Die beiden ungleichen Schwestern verbindet neben dem gemeinsamen Vater nur die Liebe zu dem Roman „Der große Gatsby“.

Eines Tages stirbt Tante Lydia völlig unerwartet an einem Herzinfarkt in Paris und vermacht ihren Nichten das Haus auf Long Island sowie „etwas von unschätzbarem Wert“. Stella lässt sich in der Schweiz bei der Zeitung für vier Wochen freistellen, um gemeinsam mit Pecks den Nachlass zu sichten und zu sortieren. Während Stella dem Wunsch der Tante entsprechen möchte und das Haus verkaufen will, ist Pecks der Meinung, es zu behalten wäre doch viel besser.

Während die Schwestern das Haus nach dem Gegenstand von unschätzbarem Wert umkrempeln, begegnen sie zwei Männern wieder, die bereits für beide eine wichtige Rolle gespielt haben. Doch während sich beide Schwestern noch im Gefühlschaos befinden, wird auf einer Party in Lydias Haus ein Bild gestohlen, das Stella und Pecks fortan für ein millionenschweres Werk von Jackson Pollock halten. Und auch eine vermutliche Erstausgabe von „Der große Gatsby“, für die Bibliophile ein Vermögen bezahlen würden, verschwindet plötzlich.

Tante Lydia umgab sich zeitlebens mit Künstlern und Literaten, vielen gewährte sie für mehrere Monate Aufenthalt in ihrem Haus, das sie angeblich bei einer Runde Backgammon gewonnen haben soll. Einer dieser Untermieter ist Biggsy, der sich zuerst als guter Geist des Hauses erweist, sich später aber immer merkwürdiger benimmt und partout nicht aus dem Haus vertreiben lässt. So müssen Stella und Pecks nicht nur den ungebetenen Gast loswerden, sondern gleichzeitig auch die Spur des verschwundenen Bildes nachgehen. Dabei erleben sie jede Menge Überraschungen…

Danielle Ganek hat mit „Der Sommer, in dem wir Gatsby gelesen haben“ einen Roman geschrieben, der so leicht wie ein Chiffonschal ist – und leider auch ebenso durchsichtig. Schon nach der Hälfte des Buches ist die Handlung vorhersehbar, auch wenn die Autorin noch so manche Wendung und einige schrullig-charmante Charaktere bereithält. Dies mag zwar für viele Leserinnen unterhaltsam sein, wer aber die Tiefe und Eleganz eines Gatsbys von F. Scott Fitzgerald erwartet, sollte besser die Finger von diesem oberflächlichen Roman lassen.

Der Roman „Der Sommer, in dem wir Gatsby gelesen haben“ wurde von Ulrich Blumenbach aus dem Amerikanischen übersetzt, der sich am Ende des Buches sogar noch die Mühe gemacht hat, nicht geläufige Namen und Begriffe kurz zu erläutern. Den amerikanischen Literaturklassiker „Der große Gatsby“ muss man zum Verständnis nicht unbedingt gelesen haben, jedoch kann man die Stimmungen der Hamptons sicher besser nachvollziehen, wenn einem dieses Werk zumindest nicht ganz unbekannt ist.

Wir alle erzählen unsere Geschichte so, wie sie uns gefällt. Und manchmal haben die Geschichten mit der Wirklichkeit nur noch am Rande zu tun.“ Kurzweilige Unterhaltung sowie ein Hauch von Kunst und Literatur machen „Der Sommer, in dem wir Gatsby gelesen haben“ zu einem Lesevergnügen für einen Sommertag am Strand.

© Steffani Lehmann von Literaturtipp.com


Danielle Ganek
Der Sommer, in dem wir Gatsby gelesen haben
Aus dem Amerikanischen von Ulrich Blumenbach
Goldmann Verlag, München
ISBN 978-3-641-05832-6
Deutsche Erstausgabe 2011, 350 Seiten, eBook.
Preis: € 7,99 (D) / € k. A. (A) / sFr 10.-



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Donnerstag, 10. Oktober 2013

Rezension zu „Der Himmel über Greene Harbor“ von Nick Dybek

Der Himmel über Greene Harbor
Ein kraftvolles Romandebüt über die Loyalität eines Sohnes zu seinem Vater und der Frage, wann und wie man die Entscheidungen seiner Eltern hinterfragt

(sl). „Loyalty Island – das war der Gestank von Hering, Lackfarbe und fauligem Seetang an den Anlegestellen und auf Stränden“. Aber Cal Bollings liebt das Leben auf der Insel ebenso wie sein Vater Henry. Cals Vater ist Krabbenfischer in der Beringsee und während der Wintermonate in Alaska auf Fischfang. Seine Mutter, aus dem sonnigen Kalifornien stammend, zieht sich in diesen Monaten der Abwesenheit in ihr Kellerstudio zurück, was für Cal ebenso zur Normalität gehört, wie die Tatsache, dass John Gaunt, Besitzer der Fangflotte, bei der auch Cals Vater beschäftigt ist, seine Mutter regelmäßig besucht und sie gemeinsam im Keller Musik hören.

Doch im Sommer 1986 gerät Cals beschauliches Leben aus den Fugen: John Gaunt stirbt völlig unerwartet und hinterlässt seinem einzigen Sohn Richard, einem zynischen Außenseiter, das gewaltige Erbe, von dem die Existenz einer ganzen Insel abhängt. Doch Richard, der noch nie einen Fuß auf einen Krabbenkutter gesetzt hat, lässt die Flotte erstmal an Land und droht den Fischern damit, das ganze Unternehmen an Japaner zu verkaufen… Henry Bollings weiß, dass er gegen den drohenden Verkauf der Fangflotte etwas unternehmen muss. Die zunehmenden Existenzängste lassen die unterschwelligen Konflikte zwischen Cals Eltern aufbrechen, die so weit eskalieren, dass Cals Mutter, schwanger mit dem zweiten Kind, die Familie verlässt, um zu ihrer alten Freundin nach Santa Cruz zu ziehen.

Eines Abends belauscht Cal im Haus seiner Eltern ein Gespräch seines Vaters, der gemeinsam mit seinen Kollegen Sam und Don verzweifelt nach einer Lösung sucht, um Richard Gaunt davon zu überzeugen, die Fangflotte weiterzuführen und damit die Insel am Leben zu erhalten. Aber am Ende des Abends scheint es nur eine Lösung zu geben – Richard Gaunt für immer zu beseitigen… Doch dann läuft die Fangflotte plötzlich aus, mit Richard an Bord, um ihm den Krabbenfang schmackhaft zu machen. Cal wird von seinem Vater zu Betty North und ihrem Sohn Jamie gebracht, dessen Vater Sam ebenfalls mit Henry Bollings in See sticht. Nur zwei Tage später erhält Betty North einen Anruf von der „Laurentide“: Richard ist über Bord gegangen, die Suche nach ihm wurde in der eiskalten Beringsee eingestellt!

Autor Nick Dybek hat mit „Der Himmel über Greene Harbor“ ein beachtenswertes Romandebüt geschrieben, dessen Stärke die atmosphärisch dichten Schilderungen sind. Man riecht das Meer, schmeckt das Salz auf den Lippen und spürt den Wind in den Haaren, wenn der junge Autor (geboren 1980) von dem Leben auf der Insel erzählt, das von den Frauen geprägt wird, die sich mit der monatelangen Abwesenheit ihrer Männer arrangieren müssen, und heranwachsenden Kindern, die ihren Vätern fast fremd sind und sie kaum kennen. Loyalty Island ist eine fiktive Insel, aber das Leben auf ihr ist ebenso real dargestellt wie es auf unzähligen anderen kleinen Inseln an der Nordostküste Amerikas stattfindet. Aus dem Namen der Insel lässt sich „Loyalität“ herauslesen, tatsächlich das tragende Thema dieses interessanten Romans und für Nick Dybek scheinbar so wichtig, dass er sich diese Bezeichnung ausgedacht hat.

Der Konflikt, den Nick Dybek seinen jungen Protagonisten aussetzt, ist glaubwürdig und nachvollziehbar. Cal ist ein Junge, der seinen Vater bewundert, vielleicht sogar idealisiert, weil er wie so viele andere Väter aus beruflichen Grünen kaum zuhause ist. Zuerst kommt Cal mit der ungewohnten Situation kaum klar, da Betty North ebenfalls wie seine Mutter stark unter der Abwesenheit des Ehemanns und Vaters leidet. Mit dem gleichaltrigen Jamie, der nun sein Zimmer mit Cal teilen muss, will er eigentlich gar nichts zu tun haben. Es dauert lange, bis sich die beiden Jungen freundschaftlich annähern. Cal fühlt sich von seiner Mutter verlassen und lehnt jeden Kontakt mit ihr ab, beantwortet die Anrufe seiner Mutter bei den Norths einfach nicht, bis sie ganz ausbleiben. Und dann quält Cal ständig der Gedanke an das belauschte Gespräch seines Vaters mit den anderen Fischern: Ist sein eigener Vater wirklich fähig, einen Mord zu begehen?

Nick Dybek erzählt einfühlsam über die Fragen und Konflikte, die innerhalb einer Familie aber auch innerhalb einer Gesellschaft, wie die auf der kleinen Insel, aufgeworfen werden. Da geht es um Loyalität und die Angst, die Entscheidungen seiner Eltern in Frage zu stellen. Es geht um Geheimnisse und Verschwiegenheit, um Unausgesprochenes und den Lernprozess jedes Heranwachsenden, eigene Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Das alles spielt vor der wunderbaren Kulisse des Meeres und dem Leben auf der Insel. Die Beschreibungen sind so detailliert, als wäre Nick Dybek selbst in dieser Gegend aufgewachsen. Doch der Autor stammt nicht von der Küste, sondern wuchs in Michigan auf. Umso beeindruckender ist die Tiefe und Authentizität seiner Schilderungen, vor allem zum Krabbenfang und dem harten Leben an Bord eines Kutters, die alleine auf der hervorragenden Recherche des Autors basieren.

Eine gewichtige Rolle in „Der Himmel über Greene Harbor“ spielt auch die Schallplattensammlung von Cals Mutter. Da bedauert man es fast, dass dem Buch nicht eine CD mit allen Titeln, die in dem Roman genannt werden, beiliegt. Offenbar war die umfangreiche Plattensammlung der eigenen Eltern prägend für Nick Dybek, wie er in einem Interview erwähnt. Und Nick Dybek bezieht sich in seinen Schilderungen immer wieder auf den Literaturklassiker „Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson, was sich auch im Originaltitel seines Romans „When Captain Flint Was Still a Good Man“ widerspiegelt.

Nick Dybek ist ein beeindruckender Erzähler, der den Leser mit wunderschönen Sätzen wie „Ihre Haut war gerötet und rau, ihr Gesichtsausdruck so leer wie das Foyer eines verlassenes Theaters“ oder „Tragödien verwandeln sich mit zunehmendem Alter in Komödien und sterben ab, wenn die Witze nicht mehr komisch sind“ zu beglücken weiß, was auch der brillanten Übersetzung aus dem Amerikanischen von Frank Fingerhuth zu verdanken ist. Auf den letzten 100 Seiten wird die Spannung des Romans fast unerträglich, die Ereignisse in „Der Himmel über Greene Harbor“ überschlagen sich und man kann das Buch kaum aus der Hand legen.

Allein waren das Leben an Land und auf See unerträglich, aber jedes von beiden war das Gegenmittel für das Gift des anderen“ – der Roman „Der Himmel über Greene Harbor“ ist für alle Väter und Söhne sowie für alle, die der Rauheit des Meeres etwas Schönes abgewinnen können, wirklich wunderbar und lesenswert!

© Steffani Lehmann von Literaturtipp.com


Nick Dybek
Der Himmel über Greene Harbor
Aus dem Amerikanischen von Frank Fingerhuth
mareverlag, Hamburg
ISBN 978-3-86648-160-2
1. Auflage 2013, 320 Seiten, Hardcover gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen, Format 13 x 21 cm.
Preis: € 19,90 (D) / € 20,50 (A) / sFr 28,50



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